Manchmal wird gesagt, ich bin dazu gekommen, wie die
Jungfrau zum Kind und genau so verhält es sich allerdings bei
mir mit dem "Ding", welches üblicherweise aus einem Schafshautsack besteht, an dem sich drei stehende & krachmachende "Pfeifen", sowie ein Flötenrohr und ein Blasrohr befinden. Welches sehr laut ist und wenn jemand nicht die passende Grundeinstellung dazu hat, einem ziemlich schnell den letzten Nerv rauben kann.

Genau, ich meine den schottischen Dudelsack, obwohl ich den Begriff Bagpipe oder Great Highland Bagpipe vorziehen möchte. Vor allem den letzteren bevorzuge ich, da ich das "Great" mit "großartig" übersetzen würde. Spätestens jetzt wird klar, ich gehöre zu denen, die die Musik von diesem Instrument sehr mögen.

Meine erste Berührung hatte ich mit dem Instrument bei meinem ehemaligen Arbeitskollegen, der mich zur Whiskyverkostung in seine Hamelner Stadtwohnung eingeladen hatte. Zu fortgeschrittener Stunde und nach einigen wirklich exzellenten Single Malt´s kramte Andreas den Dudelsack heraus und verkündete freudestrahlend, jetzt pressen wir mal ein paar Töne da heraus. Tja, ein paar Töne kamen tatsächlich heraus, aber die hätten auch von einer Katze, die misshandelt wurde, stammen können.

Danach tauchte das Thema über 1 1/2 Jahre nicht mehr auf, bis Weihnachten 2001. Wir standen mit der Familie vor dem Weihnachtsbaum und schmetterten einen wirklich netten Weihnachtssong. Da ich mit Singen so viel am Hut habe, wie ein Pferd gerne rückwärts läuft, war das Ergebnis eher ernüchternd. Die Tatsache, dass die Familie, in die ich einheiratete etwas größer ist, bewegte meinen Schwiegervater dazu zu sagen: Wir stellen uns nächstes Jahr zu Weihnachten auf die Bühne am Weihnachtsmarkt und singen dort mal ein Liedchen. Da ich diese Idee eher für einen Punkt hielt, der unter die Genfer Konvention fallen würde, verkündete ich, dass ich dazu höchstens ein Weihnachtslied auf einem Dudelsack spielen würde. Anmerken möchte ich nur, dass ich außer dieser einen Berührung mit dem Ding keinerlei weitere Berührung hatte. Auch im Musikunterricht in der Schule hatte ich nicht sehr viel Kontakt mit Noten oder ähnlichem. Ein Gentlemen´s Agreement wurde getroffen: Ein Weihnachtslied sollte durch mich auf einem Dudelsack bis Dezember 2002 zu hören sein.
Kurzer Hand ging ich im Januar 2002 auf die Suche nach einem geeigneten Objekt, jedoch die Preise waren eher ernüchternd. Irgendwann fand ich dann im Internet einen nett aussehenden Dudelsack aus England, den ich kurzerhand bestellte. Zudem noch das Buch von Reinhold Ege und einen Practice Chanter (eine Übungsflöte). Als mein Highland Bagpipe eintraf, konnte ich zumindest schon einmal die ersten Töne, war allerdings von der Größe des Instruments enttäuscht. Auch die Luft reichte nicht aus, um dem Ding einen längeren Ton, geschweige einer Tonfolge zu entlocken. Ein wenig frustriert übte ich weiter auf dem PC (Practice Chanter), bis ich das Lied "Hänschen Klein" spielen konnte. Mittlerweile war es schon März geworden und ich hatte mich damit angefreundet, dass auf diesem Dudelsack wohl in diesem Zustand keiner etwas spielen würde. Wiederrum über das Internet fand ich einen Dudelsack - Hersteller in Edinburgh, den ich um Rat fragte. Es zeichnete sich ab, das ich den Urlaub in Schottland verbringen wollte und so vereinbarte ich einen Termin bei Kilberry Bagpipes in Edinburgh zur Begutachtung und eventuellen Umrüstung. Der Tag der Umrüstung kam näher und mir graute schon eine ganz bestimmt Tatsache. An unserem 3. Urlaubstag erreichten wir dann endlich das lang ersehnte Edinburgh. Leider war es nur ein Sonntag und ich musste mich dann noch einen ganzen Tag lang auf die Folter spannen lassen. Zumindest konnten ich schon einmal feststellen, wann Kilberry Bagpipes geöffnet hat. Am Montag ging es nach dem Frühstück dann auch gleich auf in den Laden. Freudestrahlend und in guter Hoffnung zeigte ich meinen günstigen Dudelsack und schaute anschließend in das Gesicht des Inhabers und dies verdunkelte sich. Meines anschließend auch !! Freundlich, aber bestimmt (und auch ohne zu lachen) ließ er uns wissen, dass das, was ich ihm da zeigte, rein gar nicht mit dem Titel Dudelsack bezeichnet werden dürfte (ein Parkistani hatte sich bei uns eingeschlichen!!). Innerlich dachte er bestimmt auch: Oh Gott, der glaubt ja auch noch an den Weihnachtsmann
Ich fand mich dann auch, wenn auch geschockt, mit dieser Tatsache ab und wollte jedoch auch meine bisher investierte mühevolle Übungsflötenarbeit und Notenlernzeit nicht völlig in den Wind schreiben. Wild entschlossen, dass das Ding auf keinen Fall in der nächsten Zeit nur noch in irgendeiner Ecke zu finden ist, kaufte ich eine neue Bagpipe. Doch danach wieder eine Enttäuschung, der muss nämlich ersteinmal gebaut werden. Also nix mit mitnehmen und losdudeln. :-(
Der Pipe Maker versprach mir jedoch, dass er bis zu meiner Rückreise die Pipe fertig hat und ich diese mitnehmen kann. Ein wenig mehr enttäuscht, aber dennoch glücklich verließ ich Edinburgh, jedoch freute ich mich schon insgeheim auf die Rückreise.
Nach 2 1/2 langen Wochen holte ich dann die Pipe ab und die Wochen des Mühens gingen erst richtig los. Schon nach wenigen Tagen zeigten sich allerdings und völlig überraschend die ersten Erfolge, denn das Abmühen mit dem Practice Chanter (Übungsflöte) sollt sich gelohnt haben. Auch wenn ich nach einiger Zeit "Hänschen Klein", "Wer hat die schönsten Schäfchen" nicht mehr hören konnte, lernte ich eisern noch ein paar Stücke um Abwechslung zu haben.
Am 02. August 2004 konnte ich dann erstmalig auf einem Geburtstag mein Erlerntes unter Beweis stellen. Auf einem Geburtstag spielte ich Happy Birthday. Im ersten Anlauf bewegten sich jedoch alle Finger und die nicht so, wie sie eigentlich sollten. Vor Aufregung konnten die anderen nur noch erahnen, was ich spielen wollte. Nach ein paar Bieren versuchte ich es dann zwei Stunden später nochmals und da klappte es wesentlich besser! Es war zumindest so gut, dass ich ein paar Wochen später bei einem 60´sten Geburtstag ein Ständchen spielen sollte. Ich spielte mich vorher ein wenig warm und dann ging es kurz nach Mitternacht auf zum 2. Übungsauftritt.

Gälisch: Dhachaidh
Qualität

gälisch: Mo-sgeul